13,5 Milliarden Euro für Kultur- und Kreativbranche in der COVID-19-Krise

Das Europäische Parlament fordert, dass mindestens zwei Prozent der europäischen Corona-Hilfen in den Kultur- und Kreativsektor fließen sollen. Eine entsprechende Resolution wurde am heutigen Donnerstag mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Die Grünen/EFA konnten dabei eine Verdopplung des von der Europäischer Volkspartei geforderten Anteils durchsetzen.

Zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie hat die Europäische Union im Sommer ein Hilfspaket von historischem Ausmaß auf den Weg gebracht. Das Europäische Parlament begrüßt diesen Schritt, zeigt sich jedoch besorgt darüber, dass bislang weder Kommission noch Rat konkrete Pläne zur finanziellen Unterstützung des europäischen Kultur- und Kreativsektors vorgelegt haben.
 
Nun fordert das Parlament in einer fraktionsübergreifenden Resolution, dass mindestens zwei Prozent des Corona-Hilfspakets Recovery und Resilience Facility (RRF) in den europäischen Kultur- und Kreativsektor fließen sollen. Das wären rund 13,5 Milliarden Euro. Außerdem spricht sich das Parlament dafür aus, dass das Kulturförderprogramm Creative Europe zusätzliche Mittel aus den Corona-Hilfen erhält. Das Gesamtbudget des Programms soll so auf 2,8 Milliarden Euro gesteigert werden.

Niklas Nienaß, MdEP (Grüne/EFA) und Mitglied im Kultur- und Bildungsausschuss, sieht  die Resolution als wichtiges Signal in Zeiten, in denen die Freiheit der Kunst immer weiter in Bedrängnis gerät: 

„Tausende von europäischen Kulturschaffenden kämpfen derzeit um ihr wirtschaftliches Überleben. Autoritäre Nationalisten wie Jaroslaw Kaczynski und Viktor Orban freuen sich darüber. Sie nutzen die Krise, um kritische Künstler*innen und Intellektuelle sprichwörtlich auszuhungern. Die Freiheit der Kunst wird auch dadurch verteidigt, dass man die Lebensgrundlage von Kulturschaffenden sichert. Europa lebt von geteilter kulturelle Vielfalt. Das Europäische Parlament steht an der Seite all jener, die unser Leben tagtäglich mit Kunst und Kultur bereichern.“

Auf den Weg gebracht haben die Resolution Vertreter*innen aller Fraktionen mit Ausnahme der rechtsextremen ID. Die Grünen/EFA konnten in dem Papier eine Verdopplung des von der Europäischen Volkspartei (EVP) geforderten Anteils in Höhe von einem Prozent der RRF-Mittel durchsetzen.

Durch die Folgen der COVID-19-Pandemie hat der europäische Kultur- und Kreativsektor im zweiten Quartal 2020 schätzungsweise rund 80% Umsatzeinbußen erlitten. „Die Kultur- und Kreativbranche stellt innerhalb der Europäischen Union rund 7,4 Millionen Jobs und macht rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus“, sagt Niklas Nienaß. „Das ist vergleichbar mit der Wirtschaftsleistung des IT-Sektors oder dem Hotel- und Gastgewerbe. Kultur ist ein entscheidender Wirtschaftsfaktor, den wir keinesfalls vernachlässigen dürfen.“

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